Jahresbericht 2020

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Das Jahr 2020 hat auch uns als Feuerwehr gezwungen, vieles zu verändern. Aber eins war und ist immer gleich, wir sind immer für Sie da, 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag, ehrenamtlich mit vollem Einsatz.
Unser Stadtbrandinspektor Thomas Schaub gab seinen Bericht über die Neu-Anspacher Feuerwehren diesmal nicht bei den Hauptversammlungen, sondern schriftlich:
Die Neu-Anspacher Feuerwehren mussten auch im Jahr 2020 zu zahlreichen Hilfeleistungen und
Bränden ausrücken.
Neben Einsätzen und Ausbildungen gab es viele organisatorische und administrative Aufgaben,
die ebenfalls zu bewältigen waren.

EINSATZZAHLEN

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91Einsätze 2020
Hier eine Gesamtübersicht der Feuerwehrarbeit für das Jahr 2020:
Zahlen:
Einsätze insgesamt: 91
Hilfsfristrelevante Einsätze
(gesetzliche Eintreffzeit <10 min.): 49
Davon Einsätze mit Menschenleben in Gefahr: 23
Gesetzliche Vorgabe zur Einhaltung der Hilfsfrist (HBKG) 90%
Erreichungsgrad Hilfsfrist Neu-Anspach komplett 96%
Erreichungsgrad Hilfsfrist bei Einsätzen mit Menschenleben in Gefahr: 100%
Durchschnittliche Ausrückzeit (Neu-Anspach gesamt): 06:08Min
Durchschnittliche Eintreffzeit am Einsatzort (Neu-Anspach gesamt) 09:17Min

ERLÄUTERUNG

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Laut Hessischem Brand- und Katastrophen Schutzgesetz (HBKG) liegt die gesetzliche Hilfsfrist
für die Feuerwehren bei 10min.
Die Hilfsfrist beschreibt das Zeitfenster zwischen Alarmierung der Einsatzkräfte und Eintreffen an der Einsatzstelle.
Der gesetzlich vorgegebene Erreichungsgrad liegt bei mind.90%
Personal: (Stand 30.12.2020)
Einsatzkräfte insgesamt: 119
Tageseinsatzkräfte: 27
Davon städtische Kräfte: 8
Davon aus externen Feuerwehren: 7
(Arbeitgeber in Neu-Anspach)
Kinder und Jugendfeuerwehr: 62

AUSBILDUNG

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Insgesamt wurden in den Stadtteilwehren ca.350 Ausbildungsstunden angeboten.
Durch die Corona bedingten Beschränkungen konnten leider nicht alle Veranstaltungen abgehalten werden.
Ein Teil der Ausbildungen wurde kurzfristig neu organisiert und in Online-Übungen ausgeführt.
Besuchte Lehrgänge auf Kreisebene und an der Landesfeuerwehrschule: 20
Auch bei den Lehrgängen konnte 2020 nur ein Teil besucht werden.
(Vgl. 2019 wurden 50 Lehrgänge besucht)
Die 2 Kinder- und 3 Jugendfeuerwehren waren 2020 ebenfalls wegen den Corona Beschränkungen stark eingeschränkt.
Hier wurde von den Jugendwarten sehr flexibel auf online Ausbildung umgestellt.
Allerdings sind gerade im Jugendbereich praktische Übungen durch online Veranstaltungen
nicht zu ersetzten.
Welche Auswirkungen die Corona Krise auf den Nachwuchs der Feuerwehren insgesamt haben wird, ist noch nicht abzuschätzen.

PROJEKTE / AG´s

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Neben den normalen Feuerwehrtätigkeiten engagierten sich zahlreiche Kamerad*innen
in meist stadtteilübergreifenden Projekten und Arbeitsgruppen.
Im Jahr 2020 waren die Kräfte in folgenden Arbeitsgruppen aktiv:

AG ATEMSCHUTZ

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Einheitliches Schwerpunkttraining für alle Neu-Anspacher Atemschutzgeräteträger.

AG-IT

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Planung und Umsetzung eines Cloud-Konzeptes für alle Stadtteile.

Vereinheitlichung der Alarmmonitore in den Gerätehäusern.

Konfiguration des EDP-Einsatzservers in der FEZ Anspach.

AG-FÜHRUNGSKRÄFTE

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Einheitliche Ausbildung für Führungskräfte aller Stadtteile.

AG-HYGIENE

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Ausarbeitung und Umsetzung eines Hygienekonzeptes für Einsatzkräfte nach den Vorgaben der UKH.

AG-ÜBUNG

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Planung und Durchführung großer Übungsszenarien für die Feuerwehren und weiterer Hilfsorganisationen.

Eine simulierte Unwetterlage konnte unter Einbindung der neuen EDP Einsatzleitsoftware sehr erfolgreich durchgeführt werden.

Die für 2020 geplante Großübung musste wegen Corona leider abgesagt werden.

AG-ELW

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Planung und Vorbereitung der Ausschreibung/Baubesprechung für den neuen ELW1

AG-LF10

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Planung und Vorbereitung der Ausschreibung für zwei baugleiche LF10 für Hausen und Anspach.

AG PERSONALENTWICKLUNG

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(Wehrführer + Vereinsvorsitzende aller Wehren)

Ausarbeitung von Konzepten zur Motivation aktiver Feuerwehrkamerad*innen und der Gewinnung neuer Feuerwehrkräfte im Jugend- und Aktiven-Bereich.

AG-SPORT

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Selbst organisierte, wöchentliche, Sportaktivitäten für alle Aktiven der Neu-Anspacher Feuerwehren.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN / PERSÖNLICHE EINSCHÄTZUNG

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Wie die aufgeführten Zahlen zeigen, verfügt Neu-Anspach über eine sehr leistungsfähige Feuerwehr.

Die gesetzlich vorgegebene Hilfsfrist von 10 Min. wurde mit 96% Erreichungsgrad mehr als erfüllt.

Bei Einsätzen mit Menschenleben in Gefahr konnten wir 100% erreichen.

Das ist für eine ehrenamtliche Hilfsorganisation ein sehr gutes Ergebnis.

Über die Zahlen hinaus, haben die Einsatzkräfte gezeigt, dass sie die oft schwierigen und unter Zeitdruck durchzuführenden Aufgaben an den Einsatzstellen mit sehr hoher Professionalität und Ruhe bewältigen können.

Dies zeugt von einer sehr guten Ausbildung.

Auch hat sich im Jahr 2020 bei mehreren Bränden und Verkehrsunfällen

gezeigt, dass die aktuelle Einsatztaktik sehr zielführend ist.

Durch die, abhängig vom Einsatzstichwort und Ort, zeitgleiche Alarmierung von

mindestens 2 Wehren, können am Einsatzort in einer sehr frühen Einsatzphase effektive Rettungs- und oder Löscharbeiten eingeleitet werden, ohne die Sicherheit der Einsatzkräfte zu vernachlässigen.

Neben Bränden mit Menschenleben in Gefahr, ist besonders die technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen, ein sehr anspruchsvoller Einsatzbereich.

Wir wurden im Jahr 2020 zu mehreren Verkehrsunfällen mit Verletzten und leider auch toten Fahrzeuginsassen gerufen.

Die Feuerwehr ist das erste Glied einer hoch professionell organisierten Rettungskette.

(Feuerwehr; Rettungsdienst/Notarzt/RTH; Schockraum in einer geeigneten Klinik)

Ziel ist es, den Patienten im Zeitfenster kleiner einer Stunde nach dem Unfallgeschehen im Schockraum einer geeigneten Klinik versorgen zu können.

Ohne eine schnelle Rettung aus dem Unfall-Fahrzeug verlieren die folgenden Maßnahmen an Effektivität und gefährdet die Gesundheit und das Überleben der Patienten.

Für solche Einsatzlagen müssen wir einsatztaktisch, technisch und personell bestmöglich aufgestellt sein.

Dies bedarf einer sehr guten Ausbildung.

Aus diesem Grund wurde im Sommer ein Exklusiv-Training zum Umgang mit hydraulischen Rettungsgeräten durch die Firma Weber Rescue Systems durchgeführt.

Die im Einsatz benötigten Rettungsgeräte müssen ausreichend zur Verfügung stehen, geprüft, gewartet und technisch auf dem neusten Stand sein.

Ein sehr wichtiger Faktor zu wesentlich mehr Professionalität im Bereich Geräteprüfung/Gerätewartung/Reparatur war die schnelle und unkomplizierte Einstellung eines hauptamtlichen Gerätewartes.

Malte Sorg konnte für die Stelle gewonnen werden.

Er nimmt seine Aufgabe sehr gewissenhaft wahr und hat sich als aktive Einsatzkraft hervorragend in das Feuerwehrteam integriert.

Wie die Zahlen oben zeigen, sind wir im Moment personell in allen Wehren gut aufgestellt.

Die Tageseinsatzstärke ist mit 27 Personen für einen sicheren Erstangriff ausreichend.

Bei größeren Einsatzlagen müssen aber Kräfte der Nachbargemeinden mit eingebunden werden.

Dies ist in der Alarm- und Ausrückeordnung (AAO) so geregelt.

Die aktuelle Personalsituation ist gut, dies bedeutet aber nicht, dass dieser Zustand in den nächsten Jahren automatisch so bleibt.

Freiwillige Feuerwehren haben landesweit mit sinkenden Helferzahlen zu kämpfen.

In Neu-Anspach scheiden aus Altersgründen zum regulären Dienstende in den nächsten 5 Jahren 11%, in den nächsten 10 Jahren 21% der aktuellen Mannschaft aus.

Zusätzlich ist ein Problem, dass junge, gut ausgebildete Einsatzkräfte, wenn sie ihr Studium beginnen Neu-Anspach oft verlassen und nicht mehr zur Verfügung stehen.

Alleine aus der Jugendfeuerwehr ist diese Lücke schwer zu schließen.

Es wird immer schwerer Jugendliche für die Feuerwehr zu begeistern.

Die Konkurrenz durch andere Freizeitangebote ist groß.

Die Feuerwehren benötigen in den nächsten Jahren sehr gute Konzepte um die aktuell aktiven

Kameradinnen und Kameraden weiterhin für die Feuerwehr zu begeistern und neue Aktive zu gewinnen.

Dies ist die Voraussetzung um die aktuell sehr gute Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Alleine kann die Feuerwehr diese Aufgabe nicht bewältigen.

Wir benötigen Unterstützung aus der Verwaltung und Politik.

Maßnahmen wie:

  • Anreizsysteme für Aktive
  • Schulprojekte mit der Unterstützung städtischer Kräfte
  • Werbung zur Gewinnung von Jugendlichen und Quereinsteigern
  • Übernahme organisatorischer Aufgaben durch die Verwaltung

müssen auf den Weg gebracht, bzw. ausgeweitet werden.

Die AG Personalentwicklung (s.o.) hat Anfang 2020 solche Konzepte ausgearbeitet.

Wir freuen uns, wenn die Corona Lage es zulässt, diese Konzepte den Verantwortlichen aus Verwaltung und Politik vorstellen zu können.

Bei Fragen zu dem Bericht oder wenn es weitere Fragen zum Thema Feuerwehr gibt,

könnt ihr gerne auf die Stadtbrandinspektoren zukommen.

Mit kameradschaftlichem Gruß

Thomas Schaub

(Stadtbrandinspektor)

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